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Wissenswertes

Wir Informieren Sie

In dieser Rubrik findet der interessierte Leser einige Beiträge aus allen Bereichen der Pferdemedizin sowie einige Antworten auf häufig gestellte Fragen. Diese Rubrik erfährt eine ständige Aktualisierung und Erweiterung, also sehen Sie öfter hinein um zu erfahren, was es Neues gibt, der Einblick wird sich lohnen.

Alle Beiträge entspringen entweder unserem fachlichen Standpunkt, oder sie geben die aktuelle Lehrmeinung zu einem bestimmten Thema wieder. Sie sind als Information zu verstehen, wir erheben keinen Anspruch auf die Vollständigkeit, oder geben eine Garantie im juristischen Sinne für die Richtigkeit oder Endgültigkeit der hier erhaltenen Informationen.

  • Hufrehe

    Hufrehe ist eine häufige Erkrankung bei Pferden aller Rassen und die zweit häufigste vorzeitige Todesursache nach Koliken. Es kommt zu einer Entzündung der Verbindung zwischen dem Knochen und dem Horn. Dies kann sowohl innerhalb von wenigen Tagen auftreten, aber auch schleichend entstehen. Die Folgen sind Lahmheiten, Veränderungen der Hufbeinstellung und falsches Hornwachstum.


    Die Ursachen hierfür sind vielfältig und noch nicht vollständig erforscht

    Eine Überversorgung mit Nährstoffen (insbesondere Zucker und Stärke) bei mangelnder Bewegung spielt in vielen Fällen die größte Rolle. In der Folge kommt es zu Verdauungsstörungen mit Bildung von Giftstoffen, welche letztlich einen Reheschub auslösen können. Weiterhin können Stoffwechselerkrankungen eine Rehe begünstigen. (Equines Cushing Syndrom, Equines metabolisches Syndrom)

    Ponys sind von Hufrehe am häufigsten betroffen, denn unter Berücksichtigung ihrer Herkunft ist ihr gesamter Stoffwechsel optimal an eine karge, nährstoffarme Ernährung angepasst. Viele Ponys bewegen sich allerdings wenig und bekommen zu reichhaltiges Futter. Die Diagnose kann durch das klinische Bild und durch entsprechende Röntgenaufnahmen sicher gestellt werden. Weitere Laboruntersuchungen können notwendig sein, um Stoffwechselerkrankungen auszuschließen.

    Die Therapie orientiert sich an einer Linderung der akuten Symptome und einer Prävention von erneuten Reheschüben. Hierzu werden spezielle Verbände angelegt, die den Huf polstern und entlasten. Durch spezielle Medikamente wird die Durchblutung gefördert und die Entzündung gehemmt. Hierdurch werden auch die Schmerzen der Pferde gelindert.Weiterhin ist eine orthopädische Korrektur der Hufe und eventuell ein spezieller Beschlag notwendig, um einen stabilen Zustand zu erreichen. Dies geschieht gezielt anhand der Röntgenbilder in Zusammenarbeit mit dem Schmied. Eine Fütterungs- und Haltungsoptimierung ist ein weiterer wichtiger Faktor in der Therapie und Prophylaxe der Hufrehe.

    Eine vollständige Heilung ist bei dieser chronischen Erkrankung allerdings nicht zu erreichen. Ziel jeder Behandlung ist daher ein stabiler, schmerzfreier Zustand für ihr Pferd.

  • Hufrollenerkrankungen

    Es ist in der Pferdeorthopädie selten über eine Körperregion so viel gesagt und geschrieben worden, wie über die Hufrolle. Dies ist auch nicht verwunderlich, bedenkt man, dass die Hufrollenerkrankungen (das sog. Hufrollensyndrom) mit großem Abstand die häufigste Lahmheitsursache darstellen. Hufrollenerkrankungen werden gegenwärtig mit einer Fülle der Synonyme bezeichnet. Einige davon sind:

    Podotrochlose, Podotrochlitis, Podotrochlose-Syndrom, Hufrollen-Syndrom, Navicular Disease, Syndrome naviculaire, Strahlbeinlahmheit.

    Unter Leien hat sich schon seit langem der Begriff „Hufrolle“ als gleichgesinnte Bezeichnung für eine „Hufrollen- Erkrankung“ eingebürgert, was noch einmal mehr zeigt, wie oft dieser Körperteil als Lahmheitsursache vertreten ist. Im Gespräch mit unseren Kunden kommt es häufig vor, dass gesagt wird: „Mein Pferd hat leider Hufrolle“. Wenn wir uns etwas Spaß erlauben können, antworten wir manchmal darauf: „mit Sicherheit, und sogar vier davon“.

    Aber Spaß bei Seite, sehen wir uns zunächst an, wozu diese berühmt-berüchtigte Hufrolle überhaupt da ist und warum man die so nennt.

    Hufrolle, oder fachlich Podotrochlea, ist ein anatomisches Konstrukt, durch welches der senkrechte Zug der tiefen Beugesehne in eine nahezu waagerechte Zugwirkung auf das Hufbein (wo sie endet bzw. ansetzt), umgeleitet wird. Das führt dann zum Abfußen, bzw. zum Abrollen des Hufes über die Zehenspitze (dem Abrollpunkt). Weil das ganze einer üblichen Umlenkrolle ähnelt, hat man sie auch danach benannt:

    Redet man über Hufrolle (einer gesunden Hufrolle) im Kreise der Reiter, so ist dieses Thema häufig nur auf das Strahlbein reduziert. Doch Hufrolle (Podotrochlea) ist ein deutlich komplexerer Apparat und besteht aus folgenden Strukturen:

    • Strahlbein,
    • Hufgelenk,
    • Dem Strahlbein naheliegende Anteile der tiefen Beugesehne,
    • Ansatz der tiefen Beugesehne am Hufbein,
    • Strahlbeinschleimbeutel / Bursa podotrochlearis,
    • Strahlbeinbänder:
      • Das unpaare Strahlbein-Hufbeinband (Lig. Sesamoideum distale impar) und
      • Die Paarige Fesselbein-Strahlbein-Hufbeinbänder / Strahlbein-Seitenbänder (Lig. Sesamoideum collaterale laterale bzw. mediale)

    Bedenkt man, dass wirklich alle dieser Strukturen erkranken können (und nicht selten auch mehrere gleichzeitig betroffen sind), ergeben sich daraus sehr viele unterschiedliche Erscheinungsformen der Hufrollenerkrankungen.

    Aus diesem Grund spricht man nicht in etwa von einer Hufrollenkrankheit, sondern von einem sog. Podotrochlose-Syndrom. Des Weiteren sind die Begriffe wie Podotrochlitis (für eine akute Entzündung der Hufrollenstrukturen) und Podotrochlosis (für eine chronisch-degenerative Erkrankung der Hufrolle) im Gebrauch.

    Und obwohl man Hufrollenerkrankungen schon sehr lange kennt, (die Hufrollenproblematik wurde schon 1752 von Jeremiah Bridges in seinem Essay „No Foot No Horse“ beschrieben), sind diese ursächlich dennoch nicht vollständig aufgeklärt. Diskutiert man über die Entstehung und Entwicklung dieser Krankheiten, findet man gegenwärtig einige Theorien. Dem interessierten Leser möchten wir darüber eine Übersicht anbieten, ohne zu sehr in das Detail zu gehen:


    Aetiologie (Ursachen)

    • Heritabilität (Erblichkeit / Vererbung),
    • Gliedmassenstellung, Hufbeschlag (Biomechanik): „Long Toe – Low Heel“,
    • Belastung: hoher Gewichtsanteil auf den Vordergliedmaßen,
    • Störungen in der Blutversorgung.

    Pathogenese (Entstehung und Entwicklung einer Krankheit mit allen daran beteiligten Faktoren)

    • Thrombose- und Ischämie-Theorie (Veränderungen im Gefäßmuster),
    • Die biomechanische Theorie (Knochenumbau-Theorie),
    • Die dritte, die jüngste Theorie, scheint die Aspekte der ersten beiden zu vereinen. Ein Zusammenspiel zwischen krankhaftem mechanischem Stress, reaktivem Knochenumbau mit darauf folgenden Gefäßstörungen sind der wesentlicher Bestandteil dieser Theorie.

    Wie die Erkrankung(en) selbst, so kann auch eine genaue, differenzierte Diagnostik der an einer Hufrollen-Erkrankung beteiligten Hufrollen-Strukturen komplex und aufwändig sein. Am Beginn steht immer eine sorgfältige klinische Untersuchung, gefolgt von diagnostischen Anästhesien. Danach bedient man sich unterschiedlicher bildgebenden Verfahren, angefangen von Röntgen, über Ultraschall (bedingt nützlich), bis hin zur Szintigraphie, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT, MRI).

    Wenn es am Ende der diagnostischen Arbeit eine genaue Lokalisation des Hufrollenproblems gelingt, so ist das die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.

    Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Behandlungsverfahren, wird an dieser Stelle nur eine Übersicht der gängigen Therapieansätze aufgeführt.

    • Züchterische Maßnahmen: zur Verminderung des Auftretens.
    • Management: verminderte Belastung mit regelmäßiger Schrittarbeit am flachen Untergrund.
    • Hufbeschlag: Korrektur des Hufes, evtl. hochgestellte Trachten, geschlossenes Eisen, Beschlag mit Zehenrichtung, verschiedene speziell vorgefertigte Hufeisenmodelle, Polsterbeschlag / verschiedene Arten von Kunststoffplatten als Einlagen.
    • Medikamene-Systemisch: Vasodilatatoren (Medikamente zur Erweiterung der Blutgefäße), Antikoagulantien (Gerinnungshemmer), Entzündungshemmer (NSAIDs), Knochenstoffwechsel-Modulatoren wie z.B. Tildren (Tiludronate) oder Clodronsäure.
    • Medikamene-Lokal: Spritzen in den Schleimbeutel (intrabursär), Spritzen in das Hufgelenk (Intraartikulär). Hierfür werden Cortison-Präparate, Hyaluronsäure, IRAP, PRP, sowie Stammzellen eingesetzt.
    • Chirurgische Maßnahmen: Nervenquetschung (vorübergehende Unempfindlichkeit), Fasziotomie, periarterielle Sympathektomie, Neurektomie der Nn. digitales palmares in der Fesselbeuge, Anbohren des Strahlbeines unter arthroskopischer Kontrolle.
    • Physikalische Maßnahmen: Stoßwellentherapie
    • Alternative Maßnahmen: Homöopathie, Akupunktur, Blutegel.

    Selbstverständlich erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit dieser Aufzählung und möchten auch nicht über die Wertigkeit der einzelnen Verfahren bestimmen.


    Prognose bei Hufrollenerkrankungen

    Solange es sich nur um eine vorübergehende Irritation oder eine leichte Entzündung des Hufrollenapparats handelt, welche z. B. durch eine kurzfristige Überbelastung entsteht, kann die Prognose günstig sein.

    In den meisten anderen Fällen wird es versucht, durch Einsatz der aufgezählten Therapiemöglichkeiten eine Beschwerdefreiheit – welche an Symptomlosigkeit (Lahmheitslosigkeit) gemessen wird – zu erreichen und diese für einen möglichst langen Zeitraum aufrecht zu erhalten.

     

  • Kastration, oder: vom Hengst zum Wallach

    Im Alter von etwa 12 bis 18 Monaten werden Hengste geschlechtsreif. Nur eine geringere Zahl der heranwachsenden Hengste wird zur Zucht eingesetzt oder bei einer sogenannten Hengst-Körung vorgestellt. Bei den anderen Junghengsten entscheidet man sich in der Regel für eine Kastration. Hengste werden kastriert, um sexuelle Merkmale ihres Territorialverhaltens zu entfernen und damit ihr biologisches Sozialverhalten im Herdenverband zu verändern. Für die Tiere ermöglicht das ein Leben in der Gruppe, ohne sozialen Stress, welcher beim Pferd als Herdentier eine große Rolle spielt. Kastration des Hengstes wird auch als Legen bezeichnet. Durch die Entfernung der Hoden wird in den Geschlechtsorganen kein Geschlechtshormon-Testosteron mehr gebildet, die Pferde werden ruhiger und umgänglicher.

    Eine Kastration wird in der Regel im Alter zwischen zwei und vier Jahren vorgenommen. Für diesen Eingriff sollten die Pferde in einer guten körperlichen Verfassung sein. Eine Impfung gegen Tetanus ist sehr wichtig, eine vorherige Entwurmung empfehlenswert. Um die Gefahr von Infektion und Heilungsverzögerung zu reduzieren, wählt man für Kastration eher die kühlere Jahreszeit. Denn die Wärme kann vermehrte Schwellung induzieren und die Wunde von Insekten befallen werden.


    Arten der Kastration

    In der Vergangenheit wurde die sog. unblutige Kastration der Hengste durchgeführt. Dabei wurde der Samenstrang gequetscht, sodass die Samenleiter (Ductus deferens) und Blutgefäße zerstört wurden. Diese Methode zog häufig Komplikationen nach sich, nicht zuletzt, dass die Befruchtungsfähigkeit erhalten blieb, wenn es nicht sachgemäß durchgeführt wurde.

    Heutzutage wird diese Art der Kastration nicht mehr praktiziert, dafür aber eine Vielzahl anderer, sogenannten blutigen Kastration- bzw. Operationsmethoden.

    Bei einem chirurgischen Eingriff sollten sowohl Hoden als auch Nebenhoden entfernt werden. Beide sind von Scheidenhautfortsatz überzogen (Tunica vaginalis communis) und nach außen hin von der Haut (Hodensack, Skrotum). Abhängig von der gewählten Methode wird der Hodensack am Operationsende entweder offen gelassen oder vernäht. So unterscheidet man zwischen einer offenen bzw. einer geschlossenen Kastration. Wird zum Entfernen von Hoden auch der Scheidenhautfortsatz geöffnet, bezeichnet man dies als unbedeckte Kastration. Wenn der Scheidenhautfortsatz vor dem Absetzen des Hodens mit dem Samenstrang abgebunden wird und dadurch verschlossen bleibt, nennt man das bedeckte Kastration. Sowohl die bedeckte als auch die unbedeckte Kastration kann offen oder geschlossen durchgeführt werden (Hodensack offen gelassen, oder zugenäht), in Abhängigkeit der persönlichen Präferenz des Tierarztes aber auch von der äußeren Umgebung, in welcher die Kastration durchgeführt wird.

    In der Regel findet die offene Kastration im Stall oder auf der Weide statt, die geschlossene dagegen in einer Tierklinik. Eine offene Kastration kann sowohl am stehenden Pferd als auch in Vollnarkose durchgeführt werden.

    Eine Kastration am stehenden Pferd ist angesichts der Risiken für das Pferd und Tierarzt nicht mehr zeitgemäß. Sie wird meistens bei Junghengsten bis einem Alter von maximal drei Jahren durchgeführt – unter ausdrücklicher Zustimmung des Besitzers.

    Entscheidet man sich für die offene Kastration in Vollnarkose (ob im Stall, auf der Wiese oder in einer Klinik), so kann man das Operationsfeld viel gründlicher reinigen und desinfizieren, dann wird bedeckt oder unbedeckt kastriert.

    Bei der offenen Kastration, welche üblicherweise in einer hygienisch nicht ganz einwandfreien Umgebung stattfindet (Wiese, Stall), wird die Kastrationswunde (Hodensack) nicht verschlossen, weil sich die möglicherweise eingedrungenen Keime in der verschlossenen Wunde gut vermehren können. Die Wundschwellung ist bei dieser Form der Kastration meist größer. Der Besitzer muss nach der Operation das Pferd bewegen und die Wunde gegebenenfalls spülen, damit die Wundschwellung abnimmt. Das Risiko von Samenstrangfisteln und Blutungen ist recht hoch bei dieser Kastrationsmethode.

    Bei der geschlossenen Kastration unter Vollnarkose in einer Klinik wird die Kastrationswunde (der Hodensack) nach unbedeckter, oder in aller Regel bedeckter Kastration, durch eine Naht verschlossen. Denn in der sterilen Umgebung eines Operationsraumes ist dem Eindringen von Keimen in die Operationswunde vorgebeugt. In der Regel ist der Heilungsverlauf komplikationsloser als bei der offenen Kastration, und der Besitzer muss zu Hause so gut wie keine Nachbehandlung durchführen.

    Die bedeckte und die unbedeckte Kastration unterscheiden sich darin, ob nach öffnen des Hodensackes die Hoden im Scheidenhautfortsatz bleiben oder dieser auch noch eröffnet wird. In beiden Fällen wird der Samenstrang abgebunden (ligiert). Eine bedeckte Kastration ist unserer Ansicht nach, für die Klinik die Methode der Wahl.

    Ein möglicher Vorteil der unbedeckten Kastration könnte das Vermeiden einer Nahtmaterial-Unverträglichkeit sein. Diese ist jedoch aufgrund der modernen, gut verträglichen Nahtmaterialien zu vernachlässigen. Hierbei besteht vielmehr ein großes Risiko des Darmvorfalls aus dem eröffneten Scheidenhautfortsatz. Denn dieser ist ein Teil der inneren Auskleidung der Bauchhöhle und bildet daher eine direkte Verbindung dorthin.

    Es empfiehlt sich, die Hengste ab etwa drei Jahren in einer Klinik unter Vollnarkose kastrieren zu lassen. Altersgemäß ist der Samenstrang schon relativ kräftig ausgebildet und der Leistenspalt, durch den der Samenstrang aus der Bauchhöhle zu den Hoden verläuft, eher groß. Damit steigt das Risiko für Komplikationen, wie Blutungen, Fisteln und Darmvorfälle.

    Auch kryptorche Hengste, bei denen ein oder beide Hoden im Leistenspalt oder in der Bauchhöhle verblieben sind, sollten in einer Klinik operiert werden. Denn dabei handelt es sich um eine Bauchhöhlenoperation, die unter sterilen Kriterien erfolgen sollte. Hierfür siehe Kapitel Laparoskopie.

    Hengste sind nach der Kastration noch für eine gewisse Zeit fruchtbar (nach Literatur bis 2 – 3 Wochen sogar). Daher sollten sie anfangs von Stuten getrennt werden. Das Hengstverhalten lässt, in Abhängigkeit von Alter, in welchem die Kastration stattfand, unterschiedlich schnell nach. Die jüngeren Hengste sind schon nach einigen Wochen sichtbar ruhiger. Bei älteren Hengsten, insbesondere wenn sie in einem Alter nach zehn Jahren kastriert werden, dauert die „Beruhigungsphase“ wesentlich länger. Bei manchen bleibt das Hengstverhalten noch in gewissem Umfang vorhanden, weil sich über die Jahre als Verhaltensmuster in die Psyche eingeprägt hat. Auch dies sollte, zur Vermeidung der Verletzungen in der Herde, berücksichtigt werden.

  • Kehlkopferkrankungen

    Der Kehlkopf (Larynx) ist ein komplexer Schließklappenapparat mit mehreren Funktionen. Er verhindert, dass beim Atmen Luft in die Speiseröhre gelangt und umgekehrt beim Schlucken Futter in die Atemwege: Pferde können gleichzeitig r atmen und schlucken. Zudem dient der Kehlkopf/Larynx als Ventil, um Atemluftvolumen und Hustenreflex zu regulieren, sowie als Verschluss beim Einsetzen der Bauchpresse (Kot- und Harnabsatz, Geburt). Drittens ist er das Hauptorgan für das Erzeugen von Lauten. Sein Knorpelskelett setzt sich zusammen aus Epiglottis (Kehldeckel), Aryknorpel (Stell-knorpel), Thyroid (Schildknorpel) und Cricoid (Ringknorpel).

    Das gemeinsame Symptom für unterschiedliche Kehlkopferkrankungen sind Atemgeräusche und eine verminderte Leistungsfähigkeit. Die Stärke der Symptome variiert aber je nach Art der Erkrankung und Art/Ausmaß der Belastung des Tieres.

    Eine Hyperflexion des Halses, auch als „Rollkur“ bekannt, verengt den Rachenraum massiv und raubt dem Pferd die Luft. Bereits bei normaler Anlehnung wird der Rachenraum um bis zu 50 Prozent verkleinert. Bei bestehenden Rachen / Kehlkopferkrankungen, potenziert sich der Effekt. Raumfordernde Prozesse, wie z. B. Zysten und Tumore (statische Obstruktionen) können auch Anlehnungsprobleme verursachen.

    Je stärker ein Pferd beansprucht wird, desto eher machen sich Leistungsverluste bemerkbar. Hochleistungspferde wie Galopper und Traber sind stärker als Reitpferde auf kleinste Mengen eingeatmeter Luft angewiesen. Weil im Galopp die Atemfrequenz den Galoppsprüngen gleicht (bei jedem Sprung atmet das Pferd einmal ein und aus), bringt eine Atemunterbrechung das Pferd aus dem Takt. Oft hat es Mühe, Atmung und Bewegung zu synchronisieren. Es hustet und verschluckt sich öfter.

    Die wichtigsten krankhaften Veränderungen sind Kehlkopfpfeifen, dorsale Gaumensegelverlagerung, Epiglottis entrapment, pharyngeale Zysten sowie der dynamische Pharyngealkollaps. Die Anzahl der bekannten krankhaften Zustände des Kehlkopfes und des Rachenraumes ist jedoch deutlich größer. Obschon alle andere Formen der Kehlkopfprobleme wesentlich seltener vorkommen, können sie genauso schwere Gesundheits- und Leistungsbeeinträchtigungen auslösen.


    Kehlkopfpfeifen (Hemiplegia laryngis)

    Das Kehlkopfpfeifen ist wahrscheinlich die erste erkannte Ursache der Kehlkopfverlegung. Bei der klinischen Diagnose – Kehlkopfpfeifen – handelt sich vorwiegend um eine linksseitige Kehlkopflähmung (Hemiplegia laryngis sinistra), hervorgerufen durch eine Schädigung des linken N. recurens (rückläufiger Kehlkopfnerv, Stimmnerv). Eine rechtseitige oder beidseitige Kehlkopflähmung ist zwar möglich aber selten. Dieser selteneren rechtsseitigen Kehlkopflähmung liegen in aller Regel andere Ursachen zu Grunde.

    Bei einem Kehlkopfpfeifer sinkt der Stellknorpel in den Kehlkopfinnenraum, das linke Stimmband erschlafft. Beim Atmen bewegt es sich nicht mehr wie bei gesunden Tieren abwechselnd auf und ab, sondern hängt in den Larynx hinein und verlegt ihn. Was den Kehlkopfnerv lähmt, ist bis heute nicht restlos geklärt. Einig sind sich die Fachkreise, dass dieses sogenannte primäre Kehlkopfpfeifen vererbt werden kann. Das sekundäre Kehlkopfpfeifen, das seltener auftritt, entwickelt sich oft als Folge viraler oder bakterieller Infektion der oberen Atemwege.

    Eine erfolgreiche Behandlung der Kehlkopflähmung ist einer erfolgreichen Wiederherstellung der Luftzufuhr gleichgestellt. Die natürlichen, aufeinander fein abgestimmten Formveränderungen des Kehlkopfes, welche durch Schluck- und Atmungsvorgang abwechselnd entstehen, dürfen dabei nicht gestört werden. Zu diesem Zweck wurden in Laufe der Zeit mehrere chirurgische Verfahren entwickelt.
    Die bekanntesten Methoden sind die Entfernung der Stimmtasche und des Stimmbandes (ein- oder beidseitig), sowie seitliche Fixierung des Aryknorpels der gelähmten Seite mit Hilfe unterschiedlichster Implantate.

    Die letztere Methode ist für das Können des Chirurgen eines der anspruchsvollsten Verfahren überhaupt. Die Herausforderung besteht darin, der Aryknorpel mittels eines Implantats in eine feste Position zu fixieren, so dass auch bei besonderen Belastungen noch genug Luft zur Verfügung steht und gleichzeitig, beim Schluckakt, kein Futter in die Luftröhre gelangt.
    Wir behandeln die linksseitige Kehlkopflähmung nach einem kombinierten, „Marx-Williams“ Verfahren. Diese Methode, welche über die Jahrzehnte hinweg entwickelt und verfeinert wurde, zeigt aktuell noch immer die besten Ergebnisse. In dieser Operation wird der gelähmte Muskel durch ein Implantat aus Lycra-Polyester-Geflecht, ersetzt. Zusätzlich entfernen wir die Stimmtasche mit dem Stimmband der gelähmten Seite. Das erfolgt entweder durch einen kleinen Schnitt in die Luftröhre, oder mit Endoskop und Laserchirurgie.


    Zukunftsperspektiven der Behandlung von Kehlkopflähmung

    Die Anstrengungen der experimentellen Chirurgie der letzten Jahre galten der Wiederherstellung der vollen natürlichen Beweglichkeit der gelähmten Kehlkopfmuskulatur. Die Versuche mit Transplantation von gesunden benachbarten Nervenenden in die Fasern des gelähmten Muskels erfüllten jedoch nicht die in sie gesetzten Erwartungen. Es stellte sich dabei jedoch heraus, dass die betroffene Muskulatur im frühen Stadium der Lähmung noch grundsätzlich fähig ist, auf einen elektrischen Impuls mit Kontraktion zu reagieren.
    So entstand die Idee, welche bisweilen nur im Experiment umgesetzt wurde, einen Kehlkopf-Schrittmacher zu entwickeln. Dieser Schrittmacher soll den Luftstrom, welcher beim Einatmen entsteht, registrieren können, so dass er wie ein natürlicher gesunder Kehlkopfnerv im richtigen Moment einen elektrischen Impuls in den Kehlkopfmuskel abfeuert und ihn zur Kontraktion anregt. Sollte dieses Verfahren die Erwartungen seiner Entwickler erfüllen, so wird in der absehbaren Zukunft den Pferdechirurgen ein nahezu ideales Verfahren für Behandlung der linksseitigen Kehlkopflähmung zur Verfügung stehen. Eine wesentliche Erfolgsvoraussetzung wird die Behandlung in der frühen Phase der Krankheit sein, solange der Betroffene Muskel noch nicht atrophiert ist.

    Durch diesen Umstand wird die Bedeutung der hochwertigen Diagnostik zwecks Früherkennung noch stärker hervorgehoben.
    In den Fortgeschrittenen Fällen wird jedoch die bewährte kombinierte klassische Methode die Behandlung der Wahl bleiben.


    Dorsale Gaumensegelverlagerung (DDSP / dorsal displacement of soft palate)

    Bei der DDSP wandert das Gaumensegel aus seiner normalen Lage unterhalb des Kehldeckels nach oben (dorsal) in eine freie, unbefestigte Position auf den Kehldeckel; das geschieht entweder vorübergehend oder dauerhaft. Die vorübergehende Verlagerung des Gaumensegels passiert meist in Bewegung bei zunehmender Belastung. Mögliche Ursachen der Verlagerung sind eine Unterentwicklung des Kehldeckels (Epiglottis Hypoplasie), Entzündungen der oberen Atemwege, übermäßiger Unterdruck bei maximaler Belastung der Atemmuskulatur oder als Folge einer anderen krankhaften Veränderung. Auch wenn das Pferd die Zunge zurückzieht, um sie übers Gebiss zu bekommen, kann dies eine Verschiebung des Gaumensegels provozieren; ebenso kommt das Gebiss als Verursacher infrage. Tatsächlich ist bisher nicht klar, was DDSP auslöst. Wahrscheinlich ist ein Zusammenhang von mehreren bekannten oder noch unbekannten Faktoren.

    Atemnot und Leistungsabfall durch eine Verlagerung des Gaumensegels machen sich bei den Rennpferden meist erst in der Endphase, bei maximaler Belastung, plötzlich bemerkbar. Dabei entsteht in der Regel auch ein schnarchendes Atmungsgeräusch. Sobald das Pferd ruhiger läuft, beruhigt sich auch die Atmung. Schon einmaliges Schlucken kann das Gaumensegel wieder unter den Kehldeckel bringen. Bei zirka 20 Prozent der Tiere verlagert sich das Gaumensegel geräuschlos. Verlagert sich das Gaumensegel während des Fressens, kommt es zu Schluckstörungen (Dysphagie). Gerät Futter in die Luftröhre, hustet und würgt das Pferd, im Nasenausfluss sind Futterreste.

    Zunächst versucht man immer, die Grunderkrankung zu diagnostizieren und zu behandeln. Manchmal reicht es auch, das Pferd ohne Gebiss zu reiten. Ein spezieller Zaum, der sogenannte „Cornell Kragen“, soll ebenfalls helfen: Er stabilisiert den Kehlkopf nach oben und vorne.
    Chirurgisch kann der Kehlkopf auch am Zungenbein, mit einer neueren OP-Technik namens „Tie forward“, fixiert werden. Ich praktiziere diese Operationstechnik schon mehrere Jahre, die Ergebnisse sind besser als bei allen in der Vergangenheit angewandten OP-Techniken, mit einer Erfolgsquote von über 80%.


    Epiglottis entrapment

    Epiglottis entrapment ist die englische Bezeichnung für einen Zustand, bei dem die Spitze und die vorderen Teile des Kehldeckels von einer Schleimhautfalte, welche die Basis des Kehldeckels umhüllt, eingefangen beziehungsweise umwickelt werden. Obwohl dies häufig zu verminderter Leistung und zu Atemgeräuschen führt, wird diese Anomalie sehr oft nur als Zufallsbefund bei einer Lungenuntersuchung entdeckt. Die Ursache ist unbekannt. Epiglottis entrapment wird chirurgisch behoben, in der Regel endoskopisch, minimalinvasiv.


    haryngeale Zysten

    Pharyngeale Zysten befinden sich meist unter dem Kehldeckel (Subepiglottis-Zysten). Sie können manchmal eine Folge von Entzündungen oder Verletzungen des Rachenraums sein. Eine häufigere Ursache für sog. Subepiglottis-Zysten sind die noch vorhandenen Reste des sog. Ductus thyreoglossus. Diese anatomische Struktur spielt bei der Entwicklung der Schilddrüse eine Rolle und bildet sich in der Regel vor der Geburt zurück. Pharyngeale Zysten müssen immer entfernt werden, elektro- oder laserchirurgisch.


    Dynamischer Pharyngealkollaps (DCP)

    Beim dynamischen Pharyngealkollaps (DPC) wird der Nasenrachen zeitweise vollständig verschlossen. Der Atem kann also nicht in die Luftröhre strömen. DPC kommt bei ermüdeten Pferden unter Belastung vor, die Ursache ist unbekannt. Für DPC gibt es noch keine sinnvolle Therapie.

  • Kolik – der Wettlauf gegen die Zeit

    Kolik – das Schreckgespenst für Reiter und Pferdebesitzer. Kaum ein Pferd kommt ungeschoren davon, fast jedes ist mindestens einmal davon betroffen – und bei nicht wenigen hat es ihr Pferdeleben beendet. Denn Kolik tritt ohne Vorwarnung auf, und ab Beginn der Kolik-Symptome tickt die Uhr rückwärts. Für das Leben des Pferdes kann es ein Wettlauf gegen die Zeit werden. Es kommt also auf rasches Handeln an. 


    Zum Glück gibt es auch die leichten Fälle. Da gelingt es oft, die Kolik durch relativ einfache aber richtige Maßnahmen zu überwinden. Und in manchem Fall sogar wäre ein Tierarzt nicht unbedingt vonnöten gewesen. Aber – wer hat vorher Gewissheit, dass „sein Fall“ ein leichter ist und gut ausgeht? Bis der Pferdebesitzer merkt, dass seine eigenen Maßnahmen nicht ausreichen, kann zu viel Zeit verstrichen sein, um das Pferd zu retten. Selbst dann, wenn es als letzte Notmaßnahme noch in die Tierklinik gebracht und operiert worden ist.

    Der Ausgang einer Operation im Kolik-Notfall hängt nicht entscheidend davon ab, um welche Erkrankung es sich beim Pferd handelt, sondern wie viel Zeit verstrichen ist seit den ersten Anzeichen für eine Kolik. Viele Pferdebesitzer wissen das und stehen dann entsprechend unter Stress. Der steigert sich noch, wenn das Pferd in seinen Schmerzen zu toben beginnt. Und wenn man das Pech gepachtet hat, ist es auch noch nachts und am Wochenende. Ein Hänger muss organisiert werden – und ab Richtung Klinik. Wichtig, dass der Pferdebesitzer kühlen Kopf behält und nicht vergisst, die Klinik anzurufen. Wenn wir informiert worden sind, kann das Notfall-Team unserer Klinik alarmiert werden. Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit: Bis zum Eintreffen des Pferdes haben wir alles vorbereitet und stehen parat.


    Ist der Patient bei uns eingetroffen, gilt Tempo-Tempo. Zeit kostet eventuell das Pferdeleben. Alles muss möglichst schnell vonstattengehen: Blutproben, die gründliche Untersuchung des Patienten, um die genaue Diagnose stellen zu können. Auch das: nebenher nicht vermeidbarer Formularkram für den Pferdebesitzer. Wir müssen in Kürze möglichst viel über unseren Patienten erfahren, Kreislauf- und Allgemeinzustand des Pferdes müssen präzise eingeschätzt werden und die Erstversorgung hat zu beginnen.

    Befund: ein Darmverschluss. Operation unvermeidlich. Alternative dazu: Wir verlieren das Pferd. Also operieren. Und zwar schnell. Vorher noch das Pferd, falls es in einem schlechten Allgemeinzustand ist, durch Medikamente und Infusionen „OP-fähig“ machen. Dazu werden neben bestimmten Medikamenten überwiegend Infusionen in der nötigen Art und Menge verabreicht.

    Jetzt übernimmt unser OP-Team die weitere Führung. Nicht nur für den verknoteten Darmabschnitt tickt die Uhr. Wegen der unterbrochenen Darmtätigkeit werden die vor dem Verschluss liegenden Darmteile immer stärker überdehnt. Kommt die erlösende Entleerung etwas zu spät, bleiben die strapazierten Darmabschnitte hinterher schlaff – ähnlich einem Luftballon, der zu lange aufgeblasen war. Und: aus verknoteten Darmteilen treten mit der Zeit Keime und Giftstoffe in die Bauchhöhle über. Mögliche Folgen sind Bauchfell-Entzündung, Kreislaufschock und Nierenversagen. Und das entweder unmittelbar oder auch etwas zeitversetzt nach der OP.

    In einer solchen Situation ist in erster Linie wichtig, ein Team aus erfahrenen Kolik- Anästhesisten zu haben. Was den Chirurgen betrifft: Natürlich sollte er qualitativ möglichst gut operieren können – doch seine Schnelligkeit ist dabei entscheidend. Aufgrund unserer schnellen OP-Technik ist unsere Kolikchirurgie in Fachkreisen und unter Kollegen bekannt.

    Während der OP kann der Pferdebesitzer in der Klinik auf den Ausgang des Eingriffes warten. Auf diese Weise können wir ihm fast in Echtzeit die hoffentlich guten Nachrichten überbringen – oder, falls das Pferd doch nicht zu retten war, nicht nur erklären, sondern auch zeigen, warum das so ist.


    Und nach gelungener OP ? Jetzt beginnt eine Phase, die genauso wichtig ist wie die OP: die postoperative Intensivbehandlung. Vom Aufwand mühsamer als die OP, weil sie rund um die Uhr mehrere Tage lang betrieben wird. Hier geht es darum, das Pferd an allen Komplikationen, die sich nach der OP und ihrer Vorgeschichte entwickeln können, „vorbeizuschleichen“. Sollte es doch Komplikationen geben, gilt es, sie schnell zu erkennen und konsequent zu behandeln. Das können sein Darmlähmung, Darmentzündung, Kreislaufschwierigkeiten, Bauchfellentzündung, Hufrehe. Und anderes mehr.

    Die mehrtägige Intensivbehandlung ist zu etwa zwei Dritteln an den Gesamtkosten beteiligt. Das sagt einiges über ihren Umfang aus. Man könnte auch sagen, es muss damit der Zustand korrigiert werden, in dem sich das Pferd vor Auftreten der Kolik befunden hat. Aber auch hier gilt: Je schneller das Pferd zur Klinik kommt und je besser sein Allgemeinbefinden vor der OP war, um so kürzer ist die Intensivbehandlung danach.

    Wenn wir die Möglichkeit sehen, den Kelch der OP an ihrem Pferd vorbeizureichen, verfolgen wir sie mit allem, was uns möglich ist. Die Konservativ-Behandlung verfolgt das Ziel, dem Pferd die OP zu ersparen. Auch Patienten, bei denen wir uns hinsichtlich der OP-Notwendigkeit noch nicht ganz sicher sind, werden erst mal konservativ behandelt. Entweder das Pferd genest durch unsere Intensivbehandlung (ähnlich der nach der OP), oder es wird schließlich doch die absolute OP-Notwendigkeit festgestellt. Zu den Kolik-Krankheiten, welche zwar konservativ, aber intensiv behandelt werden können, zählen schwere Verstopfungen, Wurmbefall, manche Arten von Darmverlagerungen, Durchfall-Erkrankungen, Entzündungen der Darmschleimhaut in Dünn- und Dickdarm sowie manche Magen-Darm-Vergiftungen.


    Der wichtigste Personenkreis und bester Freund dieser Patienten ist unser Team aus Tierarzthelferinnen und jungen Tierärzten. Sie führen ihre Schützlinge mit Herz und Kompetenz zu jeder Tag- und Nachtzeit unermüdlich auf diesem manchmal sehr kurvenreichen Weg. Dazu gehört auch, das Pferd mehrmals, oft sogar stündlich in der Nacht per Hand oder Longe zu bewegen und ebenfalls stündlich sein Befinden durch labortechnische Untersuchung zu überwachen.

    Den Abschluss des Krankheitsverlaufs stellt das kontrollierte, sehr vorsichtige Anfüttern dar, quasi die Probefahrt des Verdauungstraktes des Patienten. Die Futterpassage dauert etwa 36 Stunden. Erst, wenn die normal und störungsfrei verläuft, betrachten wir das Pferd als gesund. Anfüttern durch den Besitzer zu Hause? Ist natürlich möglich. Was aber, wenn doch noch eine Komplikation eintritt? Außerdem – kostenmäßig spielt diese Passage in unserer Rechnung eine sehr untergeordnete Rolle.


    Ach ja – die Kosten. Die können im schweren OP-Fall schon bis an die 4000 oder auch 5000 € gehen. Oft kein Pappenstiel für den Pferdebesitzer, gewiss. Wir sind uns dessen bewusst. Auf Billig zu machen widerspräche jedoch unserer Klinikphilosophie von hochqualifiziertem kompromisslosem Einsatz zum Besten unserer Patienten. Was in den Notfällen für die unerlässlich ist, muss geschehen. Unsere hohe Erfolgsquote bestätigt, damit auf dem richtigen Weg zu sein. Genau so konsequent vermeiden wir andererseits, durch unnötige medizinische Leistungen Kosten aufzublähen.

    Inzwischen gibt es einige seriöse Tier-Operationsversicherungen. Wir raten unseren Kunden, eine solche abzuschließen. Für etwa 15 € Prämie im Monat werden die Klinik- Kosten dann voll übernommen.

  • Laparoskopie (Bauchhöhlenspiegelung)

    Der allgemeine Trend in der zeitgenössischen Chirurgie ist der Einsatz und die Weiterentwicklung der sog. minimalinvasiven Verfahren. Ein typisches Beispiel dafür ist die Arthroskopie oder Gelenkspiegelung. Bei einer Laparoskopie wird der Bauchraum mittels Endoskop und dazu geeigneten Spezialinstrumenten untersucht und behandelt. Das macht den entscheidenden Unterschied zu einer Laparotomie aus, bei welcher am offenen Bauch operiert wird, wie z. B. bei einer Kolikoperation.

    Bei einer Thorakoskopie handelt es sich um die Brusthöhlenspiegelung. Dabei kann die Lungenoberfläche mit dem Lungenfell sowie das Rippenfell visualisiert werden.

    Parallel zur klassischen Laparotomie, wie bei einem Kolikpatient, haben wir zum Wohle unserer Patienten sowohl Laparoskopie als auch Thorakoskopie mit entsprechender Ausrüstung und Fachpersonal in unseres Leistungs-Spektrum aufgenommen.

    Eine Laparoskopie kann natürlich die Laparotomie nicht ersetzen, sie hat aber bei bestimmten Einsatzgebieten einen festen Stellenwert gefunden.

    In unserer Klinik setzen wir Laparoskopie routinemäßig in folgenden Fällen ein:

    • Kryptorchismus (Klopphengst),
    • Ovariektomie, Ovartumoren (Kastration der Stute),
    • Verschluss des Milz-Nieren Raumes,
    • Verkleinerung der Leistenringe bei Inguinalhernie,
    • Diagnostik chronischer Koliken,
    • Therapie mancher chronischen Koliken (Adhesiolyse d.h. Lösung der Verwachsungen).

    Durchführung:

    Laparoskopie kann in vielen Fällen besser im Stehen – unter Sedierung und Lokalanästhesie (örtlicher Betäubung) – als im Liegen unter Allgemeinanästhesie durchgeführt werden. Dadurch entfallen die Risiken der Vollnarkose und der Aufstehphase, die OP-Kosten verringern sich.

    Die Zugänge zum Bauchraum für das Endoskop und Instrumente (zwei bis drei) werden seitlich am Bauch gemacht, üblicherweise in der Flankengegend. Die Größe dieser Zugänge ist sehr klein und variiert zwischen 1,5 cm bis maximal einige Zentimeter, wenn ein großer Eierstocktumor zu entfernen ist. Hierdurch kann ein besseres chirurgisches Ergebnis erreicht und die Gefahr von Wundheilungsstörungen deutlich reduziert werden. Der Operationsbereich wird an einem Monitor dargestellt und aufgezeichnet, so dass der Ablauf später auch für Patientenbesitzer ersichtlich ist.

    Nach einer Laparoskopie verkürzt sich wesentlich auch die Erholungsphase, so können wir unsere Patienten schon zwei bis drei Tage nach der Operation entlassen. Etwa zwei bis drei Wochen danach kann das normale Training wieder aufgenommen werden.


    Kastration von Kryptorchiden Hengsten (Klopphengsten)

    Bei einem Kryptorchiden liegt mindestens ein Hoden nicht an der richtigen Stelle. Der verborgene Hoden kann entweder in der Bauchhöhle oder in dem Leistenkanal sich befinden. In diesem Fall sprechen wir von einseitigen Kryptorchiden. Wenn beide Hoden nicht zu sehen sind, handelt es sich um einen beidseitigen Kryptorchiden.

    Wenn beide Hoden in der Bauchhöhle liegen, oder wenn ein normal liegender Hoden bereits entfernt wurde während der andere noch im Bauch liegt, wird die laparoskopische Kastration im Stehen vorgenommen.

    Im Liegen, in Vollnarkose, werden solche Kryptorchide-Hengste operiert, bei welchen ein Hoden in der Bauchhöhle liegt, während der andere entweder normal im Hodensack ist oder im Leistenkanal sich befindet.


    Kastration von Stuten

    Es kann vorkommen, dass eine Stute wegen Rittigkeitsproblemen kastriert werden muss. In diesem Fall werden die beiden Eierstöcke laparoskopisch im Stehen entfernt. Eine andere Situation ist, wenn einer der Eierstöcke tumorös verändert ist. Der Durchmesser solcher entarteten Eierstöcke reicht nicht selten bis über zwanzig Zentimeter. Auch hier kommt Laparoskopie im Stehen zum Einsatz, die Schnittgröße an der Flanke bleibt dank der geeigneten OP-Technik, auch bei extrem großen Tumoren, nicht größer als etwa acht Zentimeter. In vielen Fällen ist der verbleibende Eierstock noch gesund, so können diese Stuten danach noch/wieder in der Zucht eingesetzt werden.


    Verschluss des Milz-Nieren-Raums

    Bei einer speziellen aber doch sehr häufig vorkommenden Kolik-Form verlagert sich der Dickdarm in den Spalt zwischen der linken Niere und der Milz. An dieser Art von Kolik erkrankten Pferde müssen manchmal operativ behandelt werden. Um eine weitere Verlagerung auszuschließen, wird mit Hilfe der Laparoskopie-Technik der Milz-Nieren-Raum verschlossen. Nach einer überstandenen Milz-Nierenband-Verlagerung, selbst in den Fällen, welche ohne Operation behandelt werden konnten (oder gerade bei denen), empfehlen wir eine laparoskopische Verschließung, denn die nächste Kolik der gleichen Art könnte evtl. doch noch zu einer Kolik-OP führen.


    Verkleinerung der Leistenringe bei Inguinalhernie

    Bei Hengsten, welche auch sportlich eingesetzt werden, können die erweiterte Leistenkanäle zu einer Darmeinklemmung (Inguinalhernie oder Skrotalhernie) führen. In den meisten Fällen wird dieser Zustand erkannt, wenn eine solche Darmeinklemmung schon stattgefunden hat. Sollte nach einer solchen Erkrankung der Hoden der betroffenen Seite nicht entfernt werden müssen, empfiehlt sich danach eine Verkleinerung des inneren Leistenringes. Üblicherweise setzen wir hierbei die Technik der sog. Peritoneal-Flap-Hernioplastie ein.


    Diagnostik und Therapie chronischer Koliken

    Bei Pferden welche häufig an Bauchschmerzen / Koliken leiden, kann mit Hilfe der diagnostischen Laparoskopie – auch als explorative Laparoskopie bekannt – die Ursache gefunden und in manchen Fällen auch behoben werden. Die letztere, therapeutische Laparoskopie oder kurative Laparoskopie, kann insbesondere bei Verwachsungen im Bauchraum hilfreich sein. Ein weiterer Einsatz für diagnostische Laparoskopie ist die gezielte Probenentnahme / Biopsie aus Bauchhöhlenorganen.


    Apparative Ausrüstung

    Immer, wenn es bei laparoskopischen Operationen notwendig ist, das Gewebe blutungsfrei zu schneiden, setzen wir das LigaSureTM Gerät ein. Das in der Humanmedizin schon länger etablierte Chirurgie-System LigaSure™ in der neuen Generation des Force Triad Gerätes ermöglicht es, selbst massives Gewebe zu schneiden und Blutgefäße bis einen Durchmesser von sieben Millimeter ohne Einsatz von Fremdmaterial wie Fäden oder Klammern mittels Fusionstechnik zu verschmelzen. Das Risiko von Komplikationen wie Nachblutungen oder Verklebungen wird durch dieses Verfahren deutlich gesenkt, das Heilungsergebnis ist hervorragend.


    Thorakoskopie Brusthöhlenspiegelung

    Thorakoskopie dient der Visualisierung der Brusthöhle. Sie ist eine relativ junge Operationstechnik aus der Familie der minimalinvasiven Verfahren. Sie wird meistens am stehenden Pferd gemacht, mit gleichem Instrumentarium wie für die Laparoskopie. Die Hauptindikationen für eine Thorakoskopie sind:

    Diagnostik bei bestehenden Brusthöhlenproblemen mit Darstellung von:

    • Lungenoberfläche und der Pleura (Rippenhaut, Brustfell),
    • Flüssigkeitansammlungen,
    • Verwachsungen / Adhäsionen zwischen der Lunge und der inneren Brustwand,
    • Tumorösen Veränderungen im der Brusthöhle,
    • Probenentnahme von Lungengewebe / Lungenbiopsie.

    Therapie mancher Erkrankungen in der Brusthöhle:

    • Adhäsiolysis / Lösung der Verwachsungen,
    • Behandlung von Pleuritis / Brustfellentzündung.
  • Radiosynoviorthese (RSO)

    Der Begriff Synoviorthese wurde aus den griechischen Worten “Synovia” (Schleimhaut) und “Orthese” (Wiederherstellung) abgeleitet. Gemeint ist eine Wiederherstellung von entzündlich veränderter Gelenkinnenhaut bei entzündlichen Gelenkerkrankungen. Bei einer „Radio-Synoviorthese“ wird dies durch das Einbringen radioaktiver Stoffe in das Gelenk erzielt.


    Prinzip der Behandlung

    Nach der Verabreichung eines geeigneten radioaktiven Medikamentes (Radionuklid) über eine Kanüle in den Gelenkraum, werden die entzündeten Anteile der Schleimhaut bestrahlt und die oberflächlichen vergrößerten Schichten zerstört, ohne das die tiefer gelegene Schichten (im Gelenk das Knorpelgewebe) geschädigt werden. Darüber hinaus wird das in kolloidaler Form applizierte Nuklid von den oberflächlichen Schleimhautzellen aufgenommen und führt über natürliche Umbauvorgänge zu einer Verödung dieser Zellschichten. Somit wird ein Rückgang der Vergrößerung und der Entzündung der Gelenkinnenhaut erreicht. Lediglich die von diesen Radionukliden abgegebenen Strahlen (Betastrahlen) werden für die Behandlung genutzt. Die Strahlung bleibt auf die Schleimhaut beschränkt, weil die maximale Strahlungsreichweite der verwendeten Radionuklide nur wenige Millimeter beträgt und von außen nicht direkt zu messen ist. Deshalb erfährt, der vom Gelenk fern liegende Körper sowie der Patientenbesitzer auch keine Strahlenbelastung. Die Wahl des radioaktiven Arzneimittels sowie die Menge der Aktivität richten sich nach der Größe des Gelenkes und nach dem Ausmaß der entzündlichen Veränderung, die sich aus den Voruntersuchungen ergeben sollte. Sowohl in der Humanmedizin als auch in der Tiermedizin, bei den Pferden und bei Kleintieren, kommen folgende Radionuklide zum Einsatz: Yttrium [90Y], Rhenium [186Re] und Erbium [169Er]. Die Behandlung gilt als risikoarm.


    Indikationen:

    Die allgemeinen Indikationen für die Radiosynoviorthese sind chronische Entzündungen der Gelenke (chronische Arthritiden), der Sehnenscheiden („Galle“) und der Schleimbeutel (wie z.B. Piephacke), insbesondere dann, wenn Schmerzen (Lahmheit) und übermäßiger Ergussentwicklung sichtbar werden.


    Übersicht der Indikationen für Radiosynoviorthese:

    • 1. Chronische Arthritis
    • 2. Rezidivierende Gelenksergüsse
    • 3. Aktivierte Arthrose
    • 4. Villonoduläre Synovialitis
    • 5. Entzündungen der Sehnenscheiden und der Schleimbeutel

    Die Radiosynoviorthese empfiehlt sich als effiziente und schonende Lokaltherapie. Vor allem wenn nach einer Basistherapie (konservative Gelenktherapie) von 6 Monaten keine Besserung erreicht wird, oder bei sog. „austherapierten“ Patienten wenn die herkömmliche Behandlung keine Besserung erzielt.


    Gegenanzeichen:

    Als Kontraindikation gelten Trächtigkeit, Laktation und Jungtiere. Außerdem sollte eine Radiosynoviorthese nicht bei instabilen Gelenken mit Knochenauflösung (Spat), Einblutung in das Gelenk, septischer Arthritis und Hauterkrankungen in der Umgebung der Injektionsstelle erfolgen.


    Notwendige Voruntersuchungen:

    Vor der Durchführung der RSO sollte auf jeden Fall ein ausführlicher Vorbericht sowie eine sorgfältige klinische Untersuchung / Lahmheitsuntersuchung, Röntgenuntersuchung (aus mind. 2 Ebenen), Ultraschalluntersuchung und in manchen Fällen eine szintigraphische Untersuchung durchgeführt werden.


    Durchführung:

    Nach der Verabreichung des Radionuklids wird die Injektionsstelle mit einem sterilen Wundverband abgedeckt. Um ein Abströmen der Radionuklide über die Lymphbahnen zu verhindern, muss das behandelte Gelenk für mindestens 48 Stunden ruhiggestellt werden. Aus diesem Grund erfolgt die Behandlung stationär (strikte Boxenruhe für drei Tage). Danach wird der Patient mit einem entsprechendem Bewegungsprogramm aus der Klinik entlassen.


    Ergebnisse:

    Das endgültige Ergebnis der Radiosynoviorthese ist, wegen der verzögerten Wirkung, nicht vor 3 -4 Monaten nach der Therapie zu erwarten. Eine homogene und ausreichende Nuklidverteilung vorausgesetzt, ist die Erfolgsrate der Radionuklidtherapie recht hoch und wird zurzeit in verschiedenen Kliniken erneut validiert. Je nach Gelenkzustand ist nach der Radiosynoviorthese bei 40-80% der Patienten innerhalb von 3 -4 Monaten ein Rückgang der entzündlichen Symptome, wie Schmerzen (Lahmheit) und Schwellung zu erwarten. Mit einem Endergebnis ist erst nach etwa 6 Monaten zu rechnen. Bei Bedarf kann eine zweite Behandlung durchgeführt werden.


    Strahlenexposition, Risiken und unerwünschte Wirkungen:

    Eine genaue Feststellung der Strahlenexposition ist nicht möglich. Die absorbierte Dosis ist nicht nur vom verwendeten Radionuklid und der applizierten Aktivität abhängig, sondern auch von der Nuklidverteilung im behandelten Gelenk und der Dicke der entzündlich veränderten Schleimhaut. Bei richtiger Anwendung ist die Wirkung der radioaktiven Substanz nur im Gelenk vorhanden, so dass keine nennenswerte Belastung des Gesamtorganismus vorliegt. Eine Strahlenbelastung für die Umwelt sowie für Menschen ist somit nicht vorhanden. Neben den allgemeinen Risiken einer Gelenkpunktion, die jeder anderen Gelenkpunktion aus der Orthopädie oder Chirurgie gleichen, (lokale Infektion, Blutung und Nervenverletzung) können gelegentlich schmerzhafte entzündliche Reaktionen/Reizungen in den behandelten Gelenken vorkommen. Seltener, beim Austreten des Radionuklids über den Stichkanal kommt es zu periartikulären Nekrosen (Absterben des Gewebes um die Punktionstelle).


    Arzneimittelrechtliche Aspekte:

    Aus arzneimittelrechtlicher Sicht, dürfen die mit Radionukliden behandelte Pferde 6 Monate lang nicht der Lebensmittelgewinnung zugefügt werden.


    Bewegungsplan und Nachuntersuchung:

    Nach der Entlassung aus der Klinik erhält das Pferd noch eine Woche Boxenruhe. Anschließend werden die Pferde für weitere 3 Wochen im Schritt bewegt. Danach sollten Sie das Pferd zu einer Nachuntersuchung in der Klinik vorstellen. Bei dieser Gelegenheit wird der weitere Bewegungsplan für Ihr Pferd besprochen. Für eine telefonische Rücksprache etwa alle 4 Wochen bezüglich des Genesungsverlaufs Ihres Pferdes wären wir Ihnen sehr verbunden.

  • Regenerative Therapien

    Seit etwa zehn Jahren sind die sog. „Heilverfahren aus dem eigenem Körper“ unter ihren kommerziellen Namen wie IRAP, PRP, ACP bekannt. Auch die Stammzellentherapie ist in der Pferdemedizin schon seit Jahren in Anwendung. Diese Behandlungsmethoden haben neben einer scheinbar guten Effizienz noch einen weiteren besonderen Vorteil, dass es sich hier um körpereigene Stoffe d.h. AUTOLOGE TRANSPLANTATE handelt. Die sonst üblichen Arzneimittelnebenwirkungen sind dadurch nicht zu erwarten, so dass die Behandlung u.U. auch mehrmals wiederholt werden kann. Beim Wettkampf steht bei Sportpferden ausschließlich der Heilungsverlauf im Vordergrund ohne dass die arzneimittelrechtlichen Dopingaspekte besonders beachtet werden müssen.


    IRAP

    Stichworte:

    • Interleukin-1,
    • Anti-Interleukin, IL-1Ra (Interleukin-1 Rezeptor Antagonist),
    • IRAP (Interleukin Rezeptor Antagonisierendes Protein)

    Bei der Arthrose verschleißen die Gelenkknorpel, sie werden spröde und rissig. Dieser Prozess verläuft langsam und stetig, so dass im Extremfall das Gelenk vollkommen zerstört werden kann. Die sichtbaren Folgen sind Leistungsabfall und Lahmheit.

    Einer der ursächlichen Faktoren für die schmerzhafte Abnutzung der Gelenke ist der körpereigene Botenstoff Interleukin-1. Genau hier setzt die IRAP-Methode an um der Arthrose Einhalt zu bieten. Um das schädliche IL-1 auszuschalten, werden in einem Spezialverfahren die Blutzellen des Patienten dazu angeregt ein Gegenmittel, den natürlicherweise in Gelenken vorhandenen biologischen Hemmstoff Anti-Interleukin (syn.: Interleukin-1 Rezeptor Antagonist IL-1Ra; Interleukin Rezeptor Antagonisierendes Protein – IRAP) selbst zu produzieren.

    Zuerst wird dem Patienten Blut entnommen. Dies geschieht mit einer Spritze welche Kügelchen mit einer spezifischen Beschichtung beinhaltet. Diese Substanz stimuliert bestimmte Blutzellen, den biologischen Hemmstoff IL-1Ra in größeren Mengen zu bilden. Nach 24 Stunden können die Blutzellen abgetrennt werden, es verbleibt ein Serum mit der vielfach angereicherten Menge des IRAP, welches im Gelenk entzündungs- und schmerzlindernd wirkt.

    Das angereicherte Serum wird wiederholt (etwa einmal wöchentlich) in das betroffene Gelenk injiziert. Auf diese Weise erhält der Patient ein Vielfaches seines körpereigenen Schutzfaktors. Das plötzliche Überangebot wirkt wie eine Initialzündung, durch die der Zerstörungsprozess im Gelenk angehalten wird.

    Der Einsatz des körpereigenen Immunhemmstoffes eignet sich hervorragend für beginnende und mittlere Stadien der Arthrose und lässt sich darüber hinaus auch intelligent mit operativen Eingriffen zur Knorpelbehandlung verbinden. Darüber hinaus wird diese Methode z.Zt. mit vielversprechenden Ergebnissen auch in der Behandlung von Sehnenscheiden, Schleimbeuteln, sowie bestimmten Arten von Rückenproblemen erprobt.

    Ist aber in einem Gelenk der Knorpel zerstört und der Knochen bereits angegriffen (Endstadium der Arthrose), wirkt leider auch diese neue vielversprechende Methode nicht mehr.

    Fachinfo zum Thema:
    Interleukin-1 (IL-1) auch proinflammatorisches Zytokin genannt, stellt eine Familie von Polypeptiden dar, die als Schlüsselvermittler verschiedener infektiöser, entzündlicher und/oder immunologischer Prozesse des Körpers erscheinen.


    PRP (Platelet-rich plasma / Thrombozytenreiches Plasma);

    ACP (Autologes Conditioniertes Plasma)

    Stichworte:

    • Thrombozyten,
    • Blutplättchen,
    • PDGF platelet derived growth factor = Thrombozyten Wachstumsfaktor

    Eine weitere Behandlungsmethode stellt das PRP dar. Über ein spezielles Laborverfahren wird aus dem eigenem Blut ein Konzentrat aus Thrombozyten gewonnen. Dieses Konzentrat kann in der Chirurgie bei Knochen-Zysten, Knochendefekten bei Frakturversorgung allein oder in Kombination mit Knochenersatzstoffen eingesetzt werden.

    Darüber hinaus eignet sich diese Methode hervorragend für die konservative (nicht operative) Behandlung von Sehnenschäden, sowie von Defekten des Fesselträgers und Fesselträgerursprungsbereich. Die Thrombozyten (Blutplättchen) wirken dabei nicht nur als Substanzersatz an der verletzten Stelle, sondern setzen durch die Ausschüttung der Botenstoffe, wie z.B. Thrombozyten Wachstumsfaktor einige körpereigene Heilungsvorgänge verstärkt in Bewegung. Das Ergebnis ist eine qualitativ bessere Heilung.

    Das PRP wird unmittelbar nach der Blutprobenentnahme hergestellt und ist ausschließlich zur sofortigen Anwendung geeignet.

    Fachinfo zum Thema:
    Thrombozyten (Blutplättchen) sind im Blut vorkommende abgeschnürte Anteile von Zellen, welche die Blutgerinnung ermöglichen. Die Thrombozyten sind platte, unregelmäßig geformte, kernlose Blutkörperchen. Die Blutplättchen werden im roten Knochenmark aus zerfallenden oder sich durch Abschnürung von Zytoplasma verkleinernden Knochenrmarkriesenzellen gebildet. Im Blut treten sie in der Regel in Gruppen auf und befinden sich etwa eine Woche im Blut, bevor sie in der Milz von Abwehrzellen aufgenommen (phagozytiert) und abgebaut werden.

    Die Blutplättchen übernehmen zahlreiche Aufgaben:

    • Die Blutgerinnung, die von den Thrombozyten veranlasst wird. Hierbei leitet der Stoff Adenosindiphosphat (ADP) der Blutplättchen ihre Zusammenballung (Aggregation) ein. Sie bilden auch einen bestimmten Wachstumsfaktor, den Platelet Derived Growth Factor (PDGF). PGDF regt in der Gefäßwand das Wachstum von Muskelzellen an.
    • Den Verschluss kleiner blutender Gefäße durch Stoffe, wie z. B. Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin, die in den Blutplättchen enthalten sind. Des Weiteren besitzen sie auch Enzyme, welche die Bildung von Thromboxan A, einem gefäßverschließenden (vasokonstriktorischen) Stoff herbeiführen.
    • Auslösen einer Entzündung durch Abgabe von speziellen Entzündungs-Botenstoffen, die Entzündungszellen (Granulozyten, Monozyten) anlocken. Gleichzeitig bilden die Thrombozyten Oberflächenstrukturen aus, die die eingewanderten Zellen festhalten und so die Reparatur eines Gefäßwandschadens auslösen.

    STAMMZELLENTHERAPIE

    Stichworte:

    • Mesenchymalen Stammzellen – MSC,
    • Knochenmark,
    • Equine Mesenchymal Stem Cells EMSC

    Als Grundlage dieses Verfahrens dienen undifferenzierte Zellen (Mesenchymalen Stammzellen MSC), die dem Knochenmark oder dem Fettgewebe entnommen werden. Diese sog. pluripotenten Zellen können sich je nach Umgebung in welche sie verpflanzt werden, zu verschiedenen Zellinien der Stützgewebe, wie z.B. Sehnenzellen (Fibroblasten / Tendozyten), Knorpelzellen (Chondroblasten) und Knochenzellen (Osteoblasten) differenzieren.
    In ein defektes Gewebe implantiert, sind sie theoretisch in der Lage sich unbegrenzt zu vermehren (replizieren) und die Eigenschaften der Zellen aus dem umliegendem Gewebe anzunehmen.
    Die Hauptanwendung dieser Behandlungsmethode liegt in der Therapie von Bändern- und Sehnendefekten (Desmo- und Tendopathien), insbesondere bei Schäden von Gleichbeinbändern, vom Fesselträger und seines Ursprungbereiches (Insertionsdesmopathie). Neuere Erfahrungen zeigen, dass auch Gelenke durchaus erfolgreich behandelt werden können.

    Die Gewinnung, der aus dem Knochenmark stammenden mesenchymalen Stammzellen erfolgt aus dem Brustbein (Sternum) mit einer stanzenähnlichen Biopsienadel von etwa 4mm Durchmesser und einer Spritze.

    Adipöse Mesenchymale Stammzellen (ADSC) sind aus dem Fettgewebe stammende mesenchymale Stammzellen. Der Ort für die Entnahme von Fettgewebe ist der Bereich um den Schweifansatz.

    Nach Knochenmarkgewinnung sind grundsätzlich zwei Vorgehensweisen möglich. Das entnommene Punktat wird entweder gleich in den Defekt verabreicht (intraläsional) oder es wird zuerst eine Stammzellen Anreicherung vorgenommen.
    Die erste Möglichkeit beinhaltet einige Vorteile. Zu nennen sind:

    • Neben den Stammzellen werden auch weitere für die Genesung wichtige Bestandteile des Knochenmarks übertragen wie z.B. Wachstums- und Differenzierungsfaktoren, Fibrinogen, etc.
    • Die gesamte Behandlung ist in einer Sitzung beendet und die Kosten niedriger.

    Trotz guter Behandlungsergebnisse ist die sofortige Punktatverabreichung unter den Fachleuten wegen einer niedrigen Stammzellenkonzentration in der Gesamtmenge des Knochenmarkpunktates umstritten.

    Entscheidet man sich für die zweite Variante, so wird das Knochenmarkpunktat zuerst in ein Speziallabor geschickt. Dort wird die Isolation und Anreicherung der Stammzellen vorgenommen. Dieses Laborverfahren nimmt in der Regel etwa 2 Wochen in Anspruch. Danach erhält man ein Konzentrat mit 10 bis 20 Mio. Stammzellen. Diese werden anschließend unter Ultraschallkontrolle intraläsional verabreicht. Bei ausgedehnten Läsionen wird die Spritze gewöhnlich an mehreren Stellen verteilt.
    Während die Vorteile, medizinisch gesehen, wegen des unvergleichlich höheren Zellgehaltes eindeutig auf Seite der Behandlung mit angereicherten Stammzellen liegen, ergeben sich hierbei auch einige Nachteile. Einer davon ist der zeitliche Abstand zwischen der Probengewinnung und Patientenbehandlung, der andere dürfte in einem insgesamt höheren finanziellen Aufwand liegen.

  • OP-Versicherung

    Eine OP-Versicherung erleichtert häufig eine Entscheidung zur OP. Durch die Versicherung wird für Ihr Pferd die bestmögliche Versorgung und Behandlungsmethode gewährleistet und nicht einfach nur die kostengünstigste Variante.

    Die Pferde-OP-Versicherung übernimmt nicht nur die Operationskosten sondern in der Regel auch die nötige präoperative Diagnostik. Dazu zählen Voruntersuchungen, tarifabhängige anteilige Kostenübernahme bildgebender Verfahren (Röntgen, Ultraschall, CT, MRT, Szintigraphie) sowie sämtliche Narkosevoruntersuchungen. Ein weiterer Vorteil ist die überwiegende Akzeptanz von Operationen am stehenden Pferd (wie zum Beispiel: Laparoskopien, Zahnextraktionen). Tarifabhängig ist auch ein Zeitraum nach der OP festgelegt, in welchen alle Nachbehandlungsmaßnahmen mit übernommen werden.

    Leistungen der Allianz OP-Versicherung im Überblick

    • Übernahme der Tierarztkosten bis zum 2-fachen Satz nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) – bis 10.000 € pro Jahr
    • Nachbehandlung bis zu zehn Tage
    • Kolik-OP
    • Chip-OP (OCD – Osteochondrosis dissecans)
    • Frakturen und Verletzungen
    • Vitrektomie bei Mondblindheit
    • Arthroskopie
    • Zahnextraktion
    • Griffelbein Operation
    • regenerative Therapien (IRAP, PRP) im Zusammenhang mit einer Operation

    Weitere Informationen finden Sie auf unserer Sonderseite zur Pferde-OP-Versicherung.